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Jun 4
10:59
Hallo ihr Lieben, ich habe ein Problem und dachte, ich frage euch mal um Rat. Könnte etwas länger werden. Danke im Voraus 😅🫶🏻 Mein Bruder hat mich um Geld gebeten, weil er eine Frist von zwei Wochen hat, um etwas zu bezahlen, bevor es vor Gericht geht. Zur Situation: Mein Bruder hat für sein Alter leider schon relativ hohe Schulden, insgesamt im vierstelligen Bereich. Er ist 21, lebt bei unserem Vater und dessen Verlobte und arbeitet schon länger nicht. In der Schule hatte er es sehr schwer, unter anderem wegen ADHS, und hat seinen Abschluss während Corona leider nicht geschafft. Unser Vater hat ihm bereits 2x Jobs in Firmen besorgt, in denen er selbst gearbeitet hat oder noch arbeitet, mit Aussicht auf eine Ausbildung. Beide Male wurde mein Bruder wegen zu vieler Fehltage gekündigt, weil er sich regelmäßig krankgeschrieben hat. Seitdem ist er zu Hause, zockt nachts, schläft tagsüber und gibt Geld aus, das er nicht hat. Aber auch als er gearbeitet hat, konnte er schon nicht mit Geld umgehen und war einen Tag nach Erhalt seines Gehalts wieder im Minus. Er hatte schon einmal 2000€ von unserer Oma bekommen, damit er seine Schulden abbezahlen kann, hat das Geld aber leider für andere Dinge ausgegeben. Bei einem gemeinsamen Freund, hat er außerdem Schulden im dreistelligen Bereich, was mir sehr unangenehm ist. Jetzt hat er mich um 100€ gebeten. Ich weiß, das ist nicht extrem viel Geld, aber ich studiere und bekomme BAföG. Ich bin zwar sparsam, aber mein Freund - mir dem ich zusammenwohne - hat sich vor Kurzem selbstständig gemacht und verdient aktuell noch kaum Geld. Dazu kommt, dass ich gerade meinen Führerschein mache. Außerdem glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass das letzte Mal wäre, dass er mich um Geld bitte. Ich weiß deshalb nicht, was ich machen soll: Soll ich ihm helfen und ihm das Geld geben, davon ausgehend, dass ich es sehr wahrscheinlich nie zurückbekomme? Oder sollte ich es lieber lassen, weil ihm damit langfristig ohnehin nicht geholfen wird und ich selbst auch nicht viel übrig habe? Er ist mir sehr wichtig, und unsere Beziehung ist in letzter Zeit immer besser geworden. Mir tut die ganze Situation auch sehr leid. Aber er kann leider kaum Kritik annehmen, und ich habe Angst, dass er es persönlich nimmt, wenn ich ihm kein Geld gebe. Er hätte dafür leider auch nicht wirklich Verständnis, weil er kein realistisches Verhältnis zu Geld hat. Mir ist auch bewusst, dass er richtige Hilfe braucht, aber alleine schafft er es nicht, sich diese zu holen. Ich selbst finde es schwer, ihn dabei zu unterstützen, weil ich 300 km entfernt wohne. Unsere Mutter ist ebenfalls überfordert, hat psychische Probleme und weiß leider auch nicht, wie sie helfen soll. Unser Vater ist inzwischen nur noch genervt, weil er die laufenden Kosten meines Bruders bereits trägt und selbst viel arbeitet und einen Kredit abbezahlt. Nachdem er ihm zweimal zu einem Job verholfen hat, weiß er jetzt auch nicht mehr weiter. Mein Vater hat außerdem nicht besonders viel Verständnis dafür, was mein Bruder eigentlich braucht. Er selbst arbeitet seit seinem 16. Lebensjahr sehr viel; ihm ist eine gute Arbeitsmoral extrem wichtig. Entsprechend ist ihm die Situation meines Bruders völlig unverständlich, und er schiebt das Ganze auch gern auf die Familie meiner Mutter, weil ihr Bruder noch nie richtig gearbeitet hat und schon mehrfach im Gefängnis war. Leider lässt er meinen Bruder auch spüren, dass er denkt, er würde ähnlich enden wie unser Onkel. Ich finde das falsch und total kontraproduktiv. Ich verstehe aber auch, dass mein Vater nervlich am Ende ist, was dieses Thema angeht. Ich glaube, dass mein Bruder Hilfe von außen braucht, sowohl bei der Jobsuche als auch - und das ist noch viel wichtiger - psychisch, weil er auch in anderen Bereichen erhebliche Probleme hat. Ich fühle mich einfach etwas machtlos und würde ihm gerne helfen, aber weiß nicht wie und ob Geldleihen da überhaupt das Richtige wäre. Was sagt ihr dazu? Was würdet ihr tun?😅
 
8
Jun 4
11:36
Leihen würde ich persönlich nichts, was ich nicht mehr als übrig habe. Ich persönlich würde dazu sagen, dass er sich Hilfe suchen sollte, dabei würde ich ihn auch so gut ich kann unterstützen ohne über meine Bedürfnisse und Grenzen zu gehen. Allerdings nur, wenn er auch Bock drauf hätte und selbst Engagement zeigt und persönliche insbesondere innere Bereitschaft für Veränderung hat. Ansonsten nicht. Wer keine Hilfe möchte und nicht von selbst eine Veränderung will und auch dafür bereit ist zu tun, dem kann niemand helfen. Nur aus Verpflichtungsgefühl, Mitleid und Angst jemanden zu verlieren würde ich es nicht tun. Und auch niemanden dazu raten.
6
Jun 4
11:40
Es gibt Angebote wie Schuldnerberatung, privat Insolvenz etc. Es gibt Unterstützung für Jobsuche, Abschlüse auf dem zweiten Bildungsweg und andere Maßnahmen, es gibt viel. Dafür muss man aber selbst bereit sein und das wollen. Wer nicht möchte, wird dort nicht weiterkommen. Das gleiche mit Psychotherapie, Ergotherapie, Sozialarbeit etc. gibt es alles. Muss man wollen und selbst was für tun, für die Veränderung. Diese Dinge unterstützen aber lösen nicht deine Probleme für dich. Das muss man selbst mit ran packen.
5
Jun 4
12:43
Ich persönlich würde in diesem Fall kein Geld verleihen, er hat ja leider schon öfter gezeigt, dass er mit Geld nicht umgehen kann und wer weiß ob er dein geliehenes Geld nicht doch wieder für etwas anderes ausgibt als seine Schulden. Vielleicht wäre ja eine Ratenzahlung eine Option für ihn, wenn er den Betrag nicht auf einmal aufbringen kann? Die meisten Unternehmen sind da sehr kulant, wenn sie sehen, dass sich überhaupt bemüht wird etwas zu bezahlen statt sich einfach gar nicht drum zu kümmern.
3
Jun 4
13:45
definitiv kein geld leihen. so hart das klingt…
1
Jun 4
17:21
@Marie_Lou @BunteMaus @Träumerin lieben Dank für eure Antworten 🫶🏻 Letztlich hat ihm unsere Oma wieder Geld gegeben.. ich weiß gar nicht wie ich das finden soll. Unsere Oma ist nicht die leichteste Person und insbesondere seit dem Tod unseres Opas. Aber er meldet sich nie bei ihr, nicht mal zum Geburtstag - da hieß es “Gratuliere du ihr von mir”. Aber wenn er Geld braucht, ruft er an. Ich hab ihn echt lieb und ich weiß, dass er es bisher nicht leicht hatte, aber das ist irgendwie traurig. Anderseits kann ich mir vorstellen, dass er eine Form von Depression hat. Ich möchte nicht mit Diagnose-Vermutungen um mich werfen - dazu habe ich kein Recht und ich möchte damit auch keinem Betroffenen vor den Kopf stoßen. Das ist bloß ein Gedanke, der mir in den Sinn kam. *TRIGGER WARNUNG* Er hat leider auch mal versucht, sich das Leben zu nehmen und wurde über Nacht in eine Klinik eingewiesen, weil Freunde den Notruf gewählt hatten. Er sieht seitdem schon auch irgendwie ein, dass er Hilfe braucht, aber so richtig sicher ist er sich auch nicht und es fällt ihm wahnsinnig schwer, sich daran zu setzen. Er bewirbt sich aktuell auf Minijobs, da er mit dem fehlendem Abschluss und der Lücke im Lebenslauf Schwierigkeiten hat, überhaupt etwas zu finden, aber bisher hat er auch da nur Absagen. Zur Schuldnerberatung, Sozialarbeit, Therapie oder Ähnliches möchte er aktuell allerdings auch nicht, da er sich nicht vorstellen kann, mit jemanden darüber zu reden. Ich glaube, er traut sich auch nicht so ganz. Ich versuche, ihn immer wieder darin zu bestärken, wenn das Thema aufkommt, aber mehr als das kann ich leider auch nicht tun. Es tut mir echt leid zu sehen, wie er sein Leben so wenig im Griff hat. Ich fühle mich dann ziemlich schlecht, wenn ich ihm nicht aushelfe, aber andererseits ist das langfristig ebenfalls keine Lösung. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie lang unser Vater und vor allem dessen Verlobte das noch so “mitmachen”. Denn er macht ja leider auch absolut gar nichts im Haushalt. Er wird bekocht und sein Geschirr stellt er höchstens mal in der Küche ab - wenn er es denn überhaupt aus seinem Zimmer trägt. Soweit ich weiß, wollen mein Vater und seine Verlobte auch irgendwann nach etwas größerem schauen, da es mit 55qm zu dritt + Hund doch etwas eng wird. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass sie das ungern weiter so “mitmachen” möchte. Verständlicherweise. Puh, das war jetzt wieder ganz schön viel. Entschuldigt den langen Text. Ich habe auch echt lang überlegt, ob ich das hier so schreibe😅
 
Jun 4
20:32
@svnflower so hart das klingt, aber dann muss er mit den Konsequenzen seines Handelns leben oder so richtig hart das nun klingt, eben nicht mehr. Nur Menschen die Hilfe wollen und annehmen möchten und können, kann geholfen werden. Warum auch immer das bei ihm nicht der Fall ist, ist dann aber eben nichts wo man als Außenstehender was machen kann. Manche holen sich erst Hilfe wenn der Leidensdruck zu hoch ist. Manche nie. Manche wissen von den Hilfsangeboten und wollen nicht und gehen manchmal auch einen anderen endgültigen Weg. So schmerzhaft dass für andere ist. Man kann diese Menschen nicht zwingen, eine sinnvollere Lösung zu wählen. Also maximal mit einer Zwangseinweisung, Aber die Situation scheint nicht passend dafür. Ist schließlich ein massiver Eingriff in die Rechte der Person. Daher kann ich dann nur anraten, eine Liste mit allen Angeboten und Nummern aufzuschreiben, demjenigen zu geben und zu sagen, wenn du bereit bist und das ernsthaft angehen willst, weißt du wo du mich findest. Und ansonsten auf die eigene Gesundheit achten und sich zum Schutze abzugrenzen. Ehrlich gesagt, Respekt an deinen Vater. Ich leb auf 45-50qm allein. Hier würd ich nichtmal eine zweite Person dauerhaft dulden, n Hund okey (Klar, privilegierte Situation bei mir). Da hat dein Bruder wirklich Glück mit jedem Tag wo dein Vater und insbesondere seine Verlobte ihn nicht vor die Türe setzt. Klar, psychische Erkrankungen sind belastend und haben ihre Auswirkungen. Kenne ich leider bei weitem selbst, psychische und physische Erkrankungen. Trotzdem gibt es auch Menschen die es sich darin bequem machen und Dinge aus Bequemlichkeit ausnutzen. Wenn andere einen immer vor Konsequenzen schützen, warum sollte man was verändern?…
1
Jun 7
18:06
Hi, ich glaube dass dein Bruder ernsthafte Hilfe braucht und das Geld Thema das kleinste Problem ist das er hat. Ich erkenne tatsächlich meinen kleinen Bruder ein bisschen wieder. Wir haben unsere Eltern 2020 verloren, er war da 14. Seit dem wohnt er immer bei seinen jeweiligen Freundinnen, hat oft die Schule geschwänzt, hatte dann mit 17 eine Phase in der er sehr harte Drogen genommen hat, die Schule abgebrochen und so weiter… wir haben uns den Mund fusslig geredet, keiner kam an ihn heran. Geld ist auch ein schweres Thema. Er kifft seit er 14 ist jeden Tag und ist stark abhängig. Das Geld geht dafür drauf und am 10. des Monats ist er pleite. Dann muss Oma herhalten, also ziemlich wie bei euch. Wir haben uns damals, als es mit den Drogen so schlimm war und er auch ausgesprochen hat dass er Suizidgedanken hat, an eine Familien- und Jugendhilfe gewendet. Er hat dadurch einen Therapieplatz vermitteln bekommen, die sozialpädagogische Hilfe hat mit ihm Dinge erledigt wie zu Bewerbungsgesprächen fahren, mal zum Friseur gehen und sich pflegen, mal was essen gehen, einfach rauskommen und wieder am normalen Leben teilnehmen. Mit den harten Drogen hat er damals zumindest aufgehört, jedoch kifft er immernoch. Ihm geht es aber deutlich besser und er steht in Kontakt mit einer Finanzberaterin und Versicherungsmaklerin, mit denen hat er einmal im Monat einen Zoom Termin bei dem sie seine Sparpläne, Finanzen usw. abchecken. Er hatte eben nie jemand der ihm gezeigt hat wie das alles geht. Wir hatte Glück dass wir schon etwas älter waren. Er ist jetzt 20, hat bald seine Ausbildung fertig, kifft immer weniger und arbeitet darauf hin seinen Führerschein anzufangen. Ich denke nicht jeder hat ein einfaches Leben und egal was der Auslöser ist, manche brauchen einfach einen Rucker. Ich finde es gut dass du deinen Bruder unterstützen willst und siehst dass er nicht total verloren ist. Er braucht jemand der an ihn glaubt und stolz ist auf die kleinen Schritte. Geld würde ich ihm auch nicht leihen, denn genau an solchen Punkten soll er lernen. Ich wünsche euch alles gute ❤️
1
Jun 8
10:58
@shishakohle ich danke dir für deine ausführliche Nachricht. Es tut mir sehr leid für dich und für deinen Bruder. Ich kann mir vorstellen, dass die ganze Situation mit deinem Bruder auch dich zusätzlich belastet hat. Aber es freut mich gleichzeitig zu lesen, dass es ihm besser geht. Das macht mir ehrlicherweise auch ein wenig Hoffnung. Danke also, dass du von der Situation mit deinem Bruder geschrieben hast🫶🏻 Ich sehe auf jeden Fall Parallelen. Mein Bruder hat tatsächlich auch Probleme mit dem Kiffen. Sobald er Geld hatte, ging es für teure Klamotten, für ein zweites Handy, einen zweiten PC etc aus. Lauter Sachen, die er eigentlich schon neu hatte und gar nicht zusätzlich brauchte. Und Gras war ebenfalls ein großer Kostenpunkt. Leider ist das so eine Sache; Er hat ja aktuell kein Geld und leiht sich dann manchmal etwas, um z.B. Gras zu kaufen oder - mir ist es etwas unangenehm, das zu erwähnen - unsere Mutter hatte ihm zum Beispiel schon Gras besorgt. Sie sieht das nicht so eng und glaubt auch nicht, dass das eine Abhängigkeit sein könnte. Sie kifft selbst täglich😅 Sie hat selbst auch anderweitig psychische Probleme. Dass mein Bruder Hilfe braucht, sieht sie allerdings auch. Bei meinem Bruder ist das Kiffen phasenweise und dann sehr viel. Leider möchte er keine Hilfe annehmen. Er möchte keine Gespräche führen und blockt da total ab. Hinzukommt: Er hat kürzlich online jemanden kennengelernt und sich da sehr schnell “reingesteigert”, da er noch nie eine Freundin hatte. Seitdem meint er, dass es ihm wieder gut ginge und dass sie “seine Therapie sei”. Ich habe aber schon öfter erlebt, wie fertig er war, nachdem er von Frauen “abgewiesen” wurde. Er ist immer wieder in extreme Tiefs gefallen, weil er sich, sobald er eine Frau ansatzweise näher kennenlernt (immer online), da sehr reinsteigert. Die, die er aktuell kennenlernt, möchte ihm wohl helfen, einen Minijob zu finden. Dabei bin ich auch der Meinung, dass er erstmal anderweitig Hilfe benötigt. Ich habe auch richtig Sorge davor, was passiert, wenn aus den beiden doch nichts wird. Bei der letzten Frau wollte er sich danach das Leben nehmen. Ich weiß, dass er sich wertlos fühlt und denkt, dass seine Familie ohne ihn besser dran wäre. Da verfällt er dann schnell in Hochs und Tiefs, wenn es um Frauen geht. Aber wenn er keine Hilfe möchte, kann ich ihn auch nicht zwingen und stoße bei ihm auch auf eine Blockade. Er macht dann irgendwann komplett zu, wenn man etwas vehement andeutet. Die Beziehung zwischen unserem Vater und ihm leidet auch sehr darunter. Mein Vater hat die Hoffnung bereits aufgegeben und lässt ihn das auch spüren..:/ Lieben Dank dir! Ich wünsche euch auch alles Gute ♥️
 

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